Eine Auswahl von Mythen, Märchen, Sagen und Legenden rund um Wasser und Meer
 

 

SELBERJEDAN UND HAVELNIX

Nix

Es war einmal ein Schiffer, der hatte sich auf der Havel vor den Wind gelegt und wollte sich ein Gericht Fische fangen. Als er genug geangelt hatte, machte er sich ein Feuer an, sie zu braten. Wie er nun die Fische in seiner Pfanne über dem Feuer hat - es war so um die Schummerzeit - da kommt auf einmal ein Wassernix aus der Havel zu ihm aufs Schiff.

Das war ein ganz kleines Kerlchen, so groß wie ein Hähnchen, hatte eine rote Kappe auf, stellte sich neben ihn und fragte ihn, wie er heiße. "Wo ick heeten doh?" sagte der Fischer, "ick heet Selberjedan, wenn de det weeten wist!"
"Na, Selberjedan", sagte der Wassernix und konnte knapp reden, weil er das ganze Maul voll Padden hatte, "Selberjedan, ick bedrippe di." "Ja, dat saste mol dohn", sagte der Schiffer, "denn nehm ick'n Stock und schlo di domet vor de Rügge, dat de janz krumm und scheef waren sast." Aber der Wassernix kehrte sich nicht daran und sagte noch einmal: "Ick bedrippe di", und ehe mein Schiffer es sich versieht, speit er ihm alle Padden in die Pfanne. Da nahm der Schiffer seinen Stock und schlug auf den Wassernix ganz barbarisch los, daß er gottsjämmerlich zu schreien anfing und alle Wassernixen ihre Köpfe aus dem Wasser streckten und ihn fragten, wer ihm denn was getan habe, daß er so schreie.

Da schrie der Wassernix: "Selberjedan! Selberjedan!" Als das die andern Wassernixen hörten, sagten sie: "Hast du't selber jedan, so is di nicht to helpen", und damit tauchten sie wieder unter. Da sprang auch der geschlagene Wassernix wieder in die Havel; er hat aber keinen Schiffer wieder "bedrippt".

Quelle: eine Sage aus der Prignitz