Eine Auswahl von Mythen, Märchen, Sagen und Legenden rund um Wasser und Meer
 

 

Die Tiere auf der Seereise durch das Kattegat

Früher waren die Matrosen auf den Segelschiffen oft monatelang unterwegs, da die Fahrdauer von günstigem Wind abhing. Dann war der Seemann dankbar für jede Abwechslung, und mit gutem Recht hieß es von ihm, er sei sehr tierlieb. Gern werden Hunde und Katzen mit aufs Schiff genommen. Fast immer waren Schweine an Bord, die dann geschlachtet wurden, damit es auch auf hoher See einmal frisches Fleisch gab. Sogar Hühner und Enten wurden in einem Verschlag an Bord gehalten. Ein Wolgaster Schoner war einmal auf der Rückreise von England im Kattegat in rauhes, stürmisches Wetter geraten. Hoch gingen die Wellen, und viel Wasser schlug in das Schiff. Die Mannschaft hatte mit dem Segelwerk und an den Pumpen alle Hände voll zu tun. Nicht umsonst sagte man:

>>Dat Kattegat, dat Kattegat, dat makt so manchen Schipper natt!<<

Auch die Enten und Hühner in ihrem Verschlag an Deck schien das Wetter recht unangenehm zu sein. Laut gaben sie dem Unwillen in ihrer Sprache Ausdruck. Die Hühner flatterten ängstlich und gackerten:"Wat, wat, wat bedüüüd't dat? Wat, wat, wat bedüüüd't dat?"

Und die Enten? Kaum daß sie sich auf den Beinen halten konnten, watschelten sie doch hin und her und schnatterten aufgeregt:"Natt, natt, natt, natt is dat Water! Natt, natt, natt, natt is dat Water!"

Das Schwein auf dem Achterdeck grunzte ungehalten in einem fort:"Luuv, luuv!"

Es hatte ganz recht, sollte der Rudergänger doch anluven, damit sie mehr Fahrt machten! Auf einmal gelang es dem Hahn, sich zwischen lockeren Latten hindurchzuzwängen. Er flog in die Masten und immer höher bis auf die Spitze des Hauptmastes. Als er dort Umschau hielt, krähte er laut:"Ick seh Helsinggüür, ick seh Helsinggüür!"

Das war eine frohe Botschaft für die Tiere und besonders für die Mannschaft, denn sobald das Schiff die Höhe von Helsingör erreicht hat, kommt es in ruhigeres Fahrwasser, und die Gefahr ist wieder einmal vorüber.

 

Quelle: eine Sage vom Ostseestrand